Krapppräparate

Krapppräparate

Krapppräparate. Vor der Entdeckung des künstlichen Alizarins wurden aus dem Krapp eine Reihe von Präparaten hergestellt und benutzt, welche seitdem ganz außer Gebrauch gekommen sind.

Krappblumen wurden durch Mazerieren von Krapp mit verdünnter Schwefelsäure bei gewöhnlicher Temperatur, Prellen, Trocknen und Mahlen erhalten. Durch diese Behandlung wurden Zucker- und Schleimsubstanzen entfernt, Kalk in Gips verwandelt, ohne daß jedoch eine wesentliche Erhöhung der Färbekraft eintrat. Gleichwohl gestaltete sich das Färben leichter und vorteilhafter.

Garancin war ein mit starken Säuren behandelter und ausgewaschener Krapp. Der bei der Behandlung des Krapp mit verdünnter Schwefelsäure behufs Gewinnung der Krappblumen bleibende Teig wurde mit konzentrierter Schwefelsäure gemischt, einige Stunden bis auf 100° C. erhitzt, das Produkt in eine größere Wassermenge einlaufen gelassen und der Niederschlag auf dem Filter gesammelt, ausgewaschen und getrocknet. Infolge der Zersetzung[681] der Glykoside und Freimachung des vordem an Kalk und Magnesia gebundenen Farbstoffes wurde die Färbekraft auf das Vier- bis Fünffache des angewendeten Krapps gesteigert. Das Rot mit Garancin war reiner als dasjenige mit Krapp und Krappblumen, aber weniger dauerhaft; das Violett war schlechter.

Garanceux wurde wie Garancin, jedoch aus Krapp hergestellt, welcher bereits zum Färben gedient hatte. Es enthielt wesentlich Purpurin, welches aus dem durch den Kalk der Färbeflotte gefällten Pseudopurpurin gebildet wurde.

Pinkoffin (Alizarine commerciale) wurde durch Erhitzen von Garancin auf 150–200° dargestellt. Der färbende Bestandteil war hauptsächlich Alizarin, da das Purpurin bei dieser Operation teilweise zerstört wurde. Seine Färbekraft war infolgedessen zwar geringer, aber das Präparat erlaubte, schönes Violett zu erzeugen.

Krappextrakte waren Präparate, welche die Farbstoffe des Krapp in konzentrierter und von Pflanzenfaser freier Form enthielten. Nach Kopp wird eine Spaltung der Glykoside vermieden, wenn man Krapp mit verdünnter schwefliger Säure bei gewöhnlicher Temperatur behandelt, wodurch dieselben in Lösung gehen. Die mit etwas Schwefelsäure versetzte, auf 400 erwärmte Lösung scheidet nach 12 Stunden sogenanntes »Purpurin« aus, während das zum Kochen erhitzte Filtrat »grünes Alizarin« fallen läßt. Die Extrakte besaßen eine wesentlich höhere Färbekraft als Krapp, ihre Fabrikation wurde aber mit der Erfindung der Darstellung des künstlichen Alizarins unrentabel und daher aufgegeben. Vgl. Schützenberger, Die Farbstoffe, Berlin 1873

R. Möhlau.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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