Benzolbrenner

Benzolbrenner

Benzolbrenner. Mangel an flüssigen Brennstoffen, insbesondere an Spiritus und an überwiegend vom Ausland bezogenem Erdöl veranlaßte die Beleuchtungsindustrie, der Verwendung des Benzols (s.d., Bd. 1, S. 689) näherzutreten. Als Leuchtstoff kann Benzol wegen seiner Gefriertemperatur im Freien zur Winterszeit nicht rein verwendet werden; die hierzu bereitete Handelsware erhält deshalb Zumischungen von Tuluol oder, wenn eine Einbuße von Leuchtkraft zulässig ist, von Spiritus.

Benzol kann zunächst wie Erdöl in gewöhnlichen Erdöldochtlampen (vgl. Bd. 6, S. 767) als Leuchtstoff verwendet werden, verlangt aber des leichten Rußens wegen erhöhte Zufuhr möglichst angewärmter Luft. In einfachster, wenn auch unvollkommener Art wird diese Aufgabe durch Verwendung eines glatten langen Glaszugzylinders an Stelle des auf der Erdöllampe verwendeten Kniffzylinders gelöst. Die Benzolsparbrandkappe der Firma Hirschhorn in Berlin erfüllt die Forderung der ausreichenden Zufuhr vorgewärmter Verbrennungsluft vollkommen. Die doppelwandige, glockenförmig aus Messingblech hergestellte Kappe (Fig. 1) wird fest auf das Dochtrohr des gewöhnlichen Erdölrundbrenners so auf gefleckt, daß der Bördel a der geschlitzten inneren Kappe b fest auf der Dochtrohrkante und dem sauber gereinigten Docht aufliegt. Nach Entzünden des Dochtes und Aufsetzen des üblichen Zylinders hebt sich die Flamme über die obere Kante der äußeren, bei c durchlochten Kappe d ab und bleibt ohne weitere Regelung durch den Dochttrieb während der ganzen Brennzeit nahezu gleichmäßig hell. Der Docht wirkt nur als Saugdocht, als Zubringer des flüssigen Leuchtstoffes und wird von der Flamme fall nicht aufgezehrt. Die Verbrennungsluft strömt dem Flammenrande durch die Löcher (c) und Schlitze (b) der Kappe zu und erwärmt sich an deren, durch die Flamme heiß gehaltenen Metallwandungen. Die Lichtstärke einer 14''' Rundbrennerlampe mit Benzolsparbrandkappe beträgt bei einer Flammenhöhe von etwa 40 mm 12 HK. bei einem Verbrauch von 25 g Handelsbenzol in der Stunde.

[84] Von anderen Grundsätzen geht die Metall-Industrie, Konstanz, beim Bau ihres Benzolbrenners aus; deren Benzolkerze ist ein Freibrenner, der keines Glases als Zugzylinder bedarf. Die Bauart ähnelt der eines Glühlichtbrenners, dem Benzoldampfstrahl wird jedoch nur noch soviel Luft beigemischt, daß die Flamme leuchtend, aber gerade noch rußfrei brennt. Die Kappe des Dochtrohrs a (vgl. Fig. 2), in der ein lose geflochtener Docht satt eingesteckt ist, enthält bei b seine Düsenöffnungen. Ueber das Dochtrohr ist, nach der Längsachse zur Regelung der Flammenhöhe verschiebbar, das Mischrohr c aufgesteckt, das bei d vier Luftzuführungsöffnungen besitzt. Ueber dem Brennersieb e befinden sich die Brenneröffnungen, beim Flachbrenner einen über die Mischrohrkappe gehenden Schlitz h, der eine schmetterlingsförmige Flamme (i) hervorbringt. Um die Brenner zu entzünden, genügt bei den kleinen Sternbrennern das Vorwärmen mit brennendem Zündholz; für die großen Flachbrenner geschieht die Vorwärmung zur Einleitung der Verdampfung des Benzols mittels Spirituslunte oder Hilfsbrenner. Der aus der Düse b austretende Benzoldampfstrahl reißt die durch die Oeffnungen d eintretende Luft mit sich, das sich bildende Dampf- und Luftgemisch entzündet sich über dem Brennersieb. Die Flamme umspült den Mischrohrkopf und erhitzt ihn soweit, daß die abwärts durch das Metallrohr abgeleitete Wärme genügt, die Verdampfung unter der Dochtrohrkappe aufrechtzuerhalten. Fig. 2a zeigt eine gefällige Form der kleinen Benzolkerze, deren Flamme zwecks guter Lichtverteilung von einer kugelförmigen Milchglasglocke umgeben ist. Der kleine Brenner hat bei einem Verbrauch von stündlich 20 g Benzol eine Lichtstärke von 4 HK. Der große Freibrenner braucht bei einer Lichtstärke von 12 HK. 50 g Benzol in der Stunde. – Vgl. auch die Art. Benzolglühlicht und Benzolkocher.

H. Weber.

Fig. 1., Fig. 2., Fig. 2a.
Fig. 1., Fig. 2., Fig. 2a.

http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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