Fermente [2]

Fermente [2]

Fermente, anorganische, heißen nach Bredig die kolloidalen Metalllösungen, weil sie in bezug auf ihre katalytische Wirksamkeit in vieler Hinsicht an organische Fermente erinnern.

Solche kolloidalen Metallösungen, z.B. von Gold, Platin, Silber, Palladium, Iridium u.s.w., werden entweder auf rein chemischem Wege durch Reduktion der betreffenden Metallsalze mit Ferrosalzen, Formaldehyd, Zucker u.s.w. hergestellt oder nach dem direkt salzfreie Lösungen ergebenden Verfahren von Bredig durch Zerstäuben der Kathode eines Lichtbogens unter Wasser. Sie bilden äußerst seine Suspensionen, zeigen unter dem Mikroskop zwar keine optische Inhomogenität, lassen aber ihre Heterogenität erkennen durch das Tyndall-Phänomen, d.h. sie liefern bei intensiver Beleuchtung einen Zerstreuungskegel, dessen senkrecht zur Fortpflanzungsrichtung diffus reflektiertes Licht polarisiert ist; in neuester Zeit sind sie durch das sogenannte Ultramikroskop von Siedentopf als sehr seine Suspensionen nachgewiesen. Auch sonst besitzen sie die Eigenschaften der gewöhnlichen kolloidalen Lösungen: Minimale Diffusionsgeschwindigkeit, verschwindende Kleinheit des osmotischen Druckes, Wanderung im elektrischen Potentialgefälle, Ausfällbarkeit durch Elektrolyte u.s.w. Die auffallenden Analogien mit organischen Fermenten besonders der Platin- und Goldsole, wie man diese kolloidalen Lösungen auch nennt, zeigt sich darin, daß sie fast allgemein dieselben Reaktionen, z.B. den Zerfall von Wasserstoffsuperoxyd, katalytisch beschleunigen wie die organischen Fermente; dann aber besonders in der Eigenschaft, durch geringe Spuren von Stoffen, die für den Organismus starke Gifte sind, wie Schwefelwasserstoff, Blausäure, Kohlenoxyd u.s.w., in ihrer Wirksamkeit stark gelähmt zu werden; ferner in der wenigstens bei vielen Giften nach einiger Zeit eintretenden »Erholung« von dieser »Vergiftung«. Weitere Analogien mit organischen Fermenten, die in der beiderseitigen Kolloidnatur begründet sind, bestehen in der gleichen Veränderung der Wirksamkeit mit der Zeit und der Temperatur.


Literatur: Nernst, Theoretische Chemie, 4. Aufl., Stuttgart 1903; Bredig, Anorganische Fermente, Leipzig 1900.

F. Krüger.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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