Strohpresse

Strohpresse

Strohpresse (Heupresse), findet Verwendung in der Landwirtschaft (über Grünfutterpressen s. Ensilage, Bd. 3, S. 454).

Die Presse soll das Material stark zusammengedrückt in Ballen von 50, höchstens 100 kg und in einer Form liefern, daß es möglich ist, den Fassungsraum und die Tragfähigkeit eines Transportgerätes (Eisenbahnwagen, Schiff u.s.w.) vollständig auszunutzen; außerdem soll sich der Ballen bei der Verwendung wieder leicht auseinander nehmen lassen. Beträgt der Fassungsraum eines Waggons 31 cbm, die Tragkraft 100 m/Ztr., so muß der Kubikmeter mindestens 323 kg wiegen, es muß also z.B. das Heu, bei dessen gewöhnlicher Lagerung. man im Mittel 75 kg pro Kubikmeter rechnen kann, auf 1 : 4,3 seines Volumens gebracht werden, und damit der Ballen seine Form und das ihm durch die Presse gegebene Volumen beibehält, muß er noch unter der Presse mit ausgeglühtem Draht oder Stricken mehrfach gebunden werden.

Eine Heupresse für Handbetrieb mit Unterbrechung zeigt Fig. 1 (H. s. Eckert, A.-G., Berlin). Bei geöffnetem Deckel wird der Karten gefüllt, das Material festgetreten, hierauf der Deckel geschlossen. Durch Handhabung der beiden Hebel wird der Boden, welcher durch eine in Seitenschlitzen geführte eiserne Schiene verstärkt ist, nach aufwärts bis über die halbe Höhe des Kastens gehoben, hierauf werden die beiden Seitenwände herabgeschlagen, es folgt das Binden und nach Auslösung der Presse das Herausnehmen des fertigen Ballens.

Im Großbetrieb finden heute ausnahmslos die ununterbrochen arbeitenden Strohpressen Verwendung. Man unterscheidet bei ihnen die Krummstroh- oder Ballenpressen und die Lang- oder Glattstrohpressen. Fig. 2 zeigt ein Beispiel der ersteren Art. Das von der Dreschmaschine kommende Stroh wird durch den auf und nieder schwingenden Packer dem Preßraum zugeführt und durch den hin und her gehenden Preßwagen schichtenweise in den Preßkanal hineingedrückt, in dem es die Form eines Stranges annimmt. Das Abteilen der Ballen, das früher mit Hilfe von Teilbrettern geschah, welche in den Preßkanal in bestimmten Abständen eingebracht wurden, geschieht heute durch Nadeln, die von Hand durch den Kanal hindurchgestoßen werden, und gleichzeitig auch zum Hindurchführen des Bindematerials (Draht) dienen. – Bei den Glattstrohpressen, bei denen geringere Drucke auftreten, verwendet man ausschließlich Bindeschnur, die durch die »Nadeln« durch den Preßraum hindurchgeführt wird, und zwar entweder ganz selbsttätig oder nachdem die Sperrung derselben von Hand gelöst ist, Für die letztere Anordnung vorbildlich gewesen ist die Klingersche Presse (Fig. 3). Das aus der Dreschmaschine kommende Stroh fällt auf den Transporttisch und wird durch Greiser, die in der Transportrichtung durch Schlitze des Tisches hindurchtreten und durch einen von dem Preßwagen auf und nieder bewegten Stopfer vor den Preßwagen gebracht. Ist die zu einem [380] Ballen genügende Menge Stroh zusammengepreßt, so wird eine federnde Stütze von einem auf der Maschine sitzenden Jungen zurückgezogen, so daß der die Nadeln oder Stecheisen tragende Bügel beim nächsten Leerhub des Preßwagens herabsinkt. Beim nächsten Vorgehen des letzteren werden die Nadeln, die inzwischen die Bindeschnur gefaßt haben, in Form einer Schlinge durch den Packraum nach oben gezogen, und das Binden der Ballen erfolgt durch denselben Arbeiter, der die Auslösvorrichtung für die Nadeln besorgte. – Bei den selbsttätig arbeitenden Pressen, von denen Fig. 4 eine Ausführung von Gebrüder Welger zeigt, bei der die Nadeln von unten durch den Preßstrang hindurchtreten, wird das Durchführen derselben im gegebenen Augenblick durch das sogenannte Meßrad b bewirkt. Dieses ist ein mit Zacken in den Weg des Preßstranges hineinragendes Rad, das beim allmählichen Vorwärtsschieben desselben gedreht wird, wobei einer der auf ihm angebrachten Stifte den Hebel a herunterdrückt, welcher dabei die Sperrung des Gewichtshebels c löst, so daß letzterer dem durch den Bolzen e gehaltenen Nadelantrieb d d1 seine Unterstützung entzieht (s. strichpunktierte Stellung), so daß sich der Bolzen f der Stange d am Ende des Vorschubes des Preßwagens in die Rast s1 der an letzterem befestigten Führung s einlegen kann. Beim Leerhub des Preßwagens wird dann das Gestänge d d1 mitgenommen und dadurch die Nadel n durch den Preßstrang hindurchgeführt (D.R.P. Nr. 143609). Die Knotenbildung erfolgt von Hand oder durch einen selbsttätigen Knotenknüpfer (in Fig. 4 mit K angedeutet), der in seiner Wirkung und Einrichtung dem bei den selbstbindenden Mähmaschinen (s.d.) verwendeten ähnlich ist. Ueber die Leistungen und den Kraftbedarf der Strohpressen gibt einen, wenn auch nicht allgemein gültigen Anhalt eine im Jahre 1904 von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft veranstaltete Prüfung, nach welcher zum Leerlauf bei den Pressen von Klinger und Welger 0,96 bezw. 0,78 PS. und zum Pressen von Weizenstroh 2,54 bezw. 2,97 PS. gebraucht wurden.

Bezugsquellen: C.A. Klinger, Altstadt-Stolpen; Gebr. Welger, Seehausen und Wolfenbüttel; G. Schulz, Magdeburg-Neustadt; Gebr. Böhmer, Magdeburg; Badenia, Weinheim; Fr. Richter, Rathenow; H. Lanz, Mannheim, auf deren Kataloge wir verweisen.

Wrobel.

Fig. 1., Fig. 2.
Fig. 1., Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 3.
Fig. 4.
Fig. 4.

http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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