Gerbsäure

Gerbsäure

Gerbsäure (Gallusgerbsäure, Tannin, Digallussäure, Acidum tannicum) C14H10O9 + 2H2O gehört zu der im Pflanzenreiche weitverbreiteten Gruppe der Gerbstoffe. Diese sind in Wasser lösliche, herb-zusammenziehend schmeckende Substanzen, die mit Eisenoxydulsalzen dunkelblau oder grün gefärbte Lösungen geben, Leimlösung fällen und mit tierischen Häuten Verbindungen eingehen; vgl. Leder.

Ihrer chemischen Konstruktion nach scheinen einige dieser Säuren, wie z.B. die Kaffeegerbsäure, Glykoside (s.d.) der Gallussäure zu sein, da sie beim Kochen mit verdünnten Säuren in diese Säure und Traubenzucker zerfallen; andre liefern bei dieser Spaltung statt Traubenzucker Phloroglucin. Je nach ihrer Herkunft unterscheidet man eine ganze Reihe von Gerbsäuren, die auch durch ihre Zusammensetzung voneinander verschieden sind, wie die Kino-, Katechu-, Moringagerbsäure oder Maclurin, Kaffee-, Eichen-, Chinagerbsäure, Dividivi oder Libidibi, Algarobilla, Canaigre u.s.w. Ueber die Anwendung und Wirkungsweise derselben s. Gerbstoffe und Leder. In der Gallusgerbsäure sind Gallussäureanhydride enthalten, ihre chemische Natur ist noch nicht aufgeklärt. Die Anschauung von Schiff, daß Gallusgerbsäure aus Digallussäure im wesentlichen bestehe, ist nach den neueren Untersuchungen von Walden nicht haltbar. Digallussäure ist eine der Gallusgerbsäure sehr ähnliche Verbindung; sie entsteht beim Erhitzen von Gallussäure (s.d.) mit Phosphoroxychlorid. Die Gerbsäure findet sich in großer Menge in den Galläpfeln (s.d.), ferner im Sumach, im Tee, und ist eine farblose oder schwachgelbliche, glänzende, amorphe Masse, die leicht löslich in Wasser, wenig löslich in Alkohol und in Aether fast unlöslich, ist, am Licht gelb bis braun werdend. Aus der wässerigen, sauer reagierenden Lösung wird sie durch Kochsalz und viele andre Salze sowie durch Leimlösung gefällt und der wässerigen Lösung durch die tierische Haut vollständig entzogen. Mit Eisenchlorid entsteht eine dunkelblau gefärbte Lösung. Die Gerbsäure ist eine schwache Säure, die Karbonate zerlegt; jedoch sind Salze von konstanter Zusammensetzung nur schwierig zu erhalten. Alle Salze sind amorph. Beim Kochen mit verdünnten Säuren liefert die reine Säure unter Aufnahme von 1 Molekül Wasser 2 Moleküle Gallussäure. Man gewinnt das Tannin am leichtesten aus den Galläpfeln, die dasselbe bis zu 70% enthalten. Diese werden sein gepulvert und mit einem Gemisch von Wasser, Alkohol und Aether in bestimmten Verhältnissen ausgezogen. Die erhaltene Lösung trennt sich in zwei Schichten, von denen die untere, wässerige die Gerbsäure enthält. Die durch Verdunsten der getrennten wässerigen Lösung gewonnene Säure wird dann zu ihrer Reinigung mehrere Male in Wasser aufgenommen und mit Kochsalz gefällt. Künstlich entsteht sie aus Gallussäure durch Oxydation mit Silbernitrat, durch Erhitzen mit Phosphoroxychlorid oder durch Kochen mit Arsensäure. Die Gerbsäure findet eine ausgedehnte Anwendung in der Medizin, in der Färberei, zur Darstellung von Gallussäure und Pyrogallol; sie ist das Rohmaterial für die Fabrikation von Tinte (s.d.), dagegen ist sie als Gerbmittel für Leder ungeeignet. Das damit hergestellte Leder zeigt einen »leeren Griff« und ist unhaltbar.


Literatur: Beilstein, Handb. der organischen Chemie, 2. Aufl., Bd. 2, S. 1219–1221, Hamburg und Leipzig 1888; Fischer, F., Handb. der chemischen Technologie, S. 1078–1081, Leipzig 1893; Schmidt, Pharm. Chemie, org. Teil., Braunschweig 1901.

Bujard.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

Игры ⚽ Поможем сделать НИР

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Gerbsäure — ↑Tannin …   Das große Fremdwörterbuch

  • Gerbsäure — Corilagin (=Gallotannin) Die Tannine (von franz. tanin Gerbstoff) sind natürlich vorkommende Polyphenole, die sich alle von der Gallussäure ableiten lassen. Deswegen spricht man häufiger auch von Gallotanninen. Bekannteste Verbindung und… …   Deutsch Wikipedia

  • Gerbsäure — Gẹrb|säu|re 〈f. 19; unz.〉 einer der im Pflanzenreich weitverbreiteten organ. Stoffe, die eine Zusammenziehung der Schleimhäute bewirken, mit Eisen III Salzen schwarze u. grüne Färbungen geben u. zum Gerben u. zur Herstellung von Tinte verwendet… …   Universal-Lexikon

  • Gerbsäure — Gẹrbsäure vgl. Acidum tannicum …   Das Wörterbuch medizinischer Fachausdrücke

  • Gerbsäure — Gẹrb|säu|re …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Gerbsäuren — Gerbsäuren. In vielen, nach Pettenkofer nur in perennirenden Pflanzen kommen eigenthümliche Verbindungen vor, deren besonderes Kennzeichen es ist, sich mit Leim u. leimgebenden Geweben in constanten Verhältnissen zu vereinigen u. neue Stoffe… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Galläpfel — (Gallen, Cecidien), abnormale Veränderungen (Neubildungen) an Geweben vorwiegend pflanzlicher, sehr selten tierischer Organismen, die durch einen organisierten (lebenden) Parasiten verursacht werden. Letzterer, der Gallenerzeuger, kann ein Pilz… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Gerbmaterialien liefernde Pflanzen — Fig. 1. Quercus Vallonea Kotschy (Knopperneiche), ein mäßig hoher, sommergrüner Baum aus der Familie der Fagazeen, mit ausgebreiteter, abgerundeter Krone, langgestielten, lederartigen, eiförmigen oder eiförmig länglichen, am Grunde mehr oder… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Gallussäure — (Galläpfelsäure, Acidum galicum, auch Gallaceum), C14H6O10 + 2 aq., von Scheele 1786 entdeckt; in den Galläpfeln kommt sie nicht präformirt vor, sondern bildet sich erst aus der Gallusgerbsäure. Dagegen findet sie sich in den Mangokörnern, in der …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Klären — (Abklären, Läutern, Schönen), Operation zur Trennung einer Flüssigkeit von darin enthaltenen festen, ungelösten Substanzen, die durch Filtrieren (s. d.) nicht entfernt werden können, weil sie durch die Poren des Filters hindurchgehen oder wegen… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”