Gerüstbrücken

Gerüstbrücken

Gerüstbrücken (Trestleworks), eine Art von hölzernen oder eisernen Viadukten, die durch nahe gestellte hölzerne oder eiserne Joche gekennzeichnet sind, was kurze Spannweiten für die zur Anwendung kommenden Träger und geringe Belastung des Baugrundes zur Folge hat und den Vorteil mit sich bringt, die einzelnen Joche durch etagenweisen Längsverband sichern und hierdurch auch mit sehr großen Höhen ausführen zu können.

Ihre Konstruktion ist von Amerika ausgegangen. Auf den amerikanischen Bahnen des Westens, die waldreiche Gebiete durchziehen, sind solche hölzerne Trestleworks in großer Zahl als zeitweiser oder bleibender Ersatz für Dammschüttungen ausgeführt worden (Fig. 1). Die Joche stehen auf Grundschwellen in Abständen von 4–8 m, und sind die Träger entweder einfache oder durch Sattelhölzer und Sprengwerke unterstützte Balken [1], [2], Eines der bedeutendsten Bauwerke dieser Art war der 260 m lange und 62 m hohe Portageviadukt, der 1875 durch Brand zerstört und durch einen eisernen Viadukt ersetzt wurde. Der Holzaufwand in solchen amerikanischen Gerüstbrücken kann bei Höhen bis zu 20 m mit 0,18–0,25 cbm pro 1 qm Ansichtsfläche angesetzt werden. Ein typisches Beispiel für die ausgeführten eisernen Gerüstbrücken ist in Fig. 2 dargestellt [3]. Die Gerüstpfeiler (s. Pfeiler, eiserne) mit 6–10 m weit abstehenden Jochen sind 10–25 m voneinander entfernt und werden jetzt zumeist mit Blechträgern überspannt. Früher sind häufig armierte (Finksche) Träger angewendet worden. Die Einzelheiten der Pfeilerkonstruktion sind nach amerikanischer Art mit Bolzenanschluß der Ausfachungsstäbe ausgebildet und wird hierdurch insbesondere die Möglichkeit der unvergleichlich raschen Aufstellung dicker Bauwerke erreicht. Einige neuere amerikanische Trestleworks zeigen aber auch durchgehends Nietverbindung. Die eisernen Gerüstbrücken sind im Gegensatz zu den hölzernen Bauten dieser Art vielfach als definitive Bauten in Ausführung gebracht worden, häufig auch im Anschluß an größere Strombrücken zur Bildung der Anfahrtsrampen. Sie bieten gegenüber andern eisernen Viaduktkonstruktionen vornehmlich den Vorteil einer Materialersparnis [4]. Auch in Europa sind Bauwerke dieser Art, unsrer Konstruktionsweise entsprechend abgeändert, zur Ausführung gekommen. Beispiele sind der Viadukt bei Mittweida auf der sächsischen Lokalbahn Annaberg – Schwarzenberg, die Seitenfelder des Wupperviadukts bei Müngsten, die Talbrücke über das Ottertal in der Eisenbahnlinie Ziegenrück–Hof [5], die eisernen Gerüstbrücken der Lokalbahn Waidhofen–Gaming [6].


Literatur: [1] Pontzen, E., Ueber hölzerne Brücken mit besonderem Hinweis auf amerikanische Gerüstbrücken, Zeitschr. des österreich. Ingen.- u. Arch.-Ver. 1876. – [2] Steiner, F., Ueber[409] Brückenbauten in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, Wien 1878. – [3] Ritter, W., Der Brückenbau in den Vereinigten Staaten Amerikas, Bern 1894. – [4] Biedermann, Beitrag zur Verwendung von Talbrücken nach dem Gerüstbrückensystem, Zeitschr. des hannov. Aren.- u. Ingen.-Ver. 1895, S. 375. – [5] Zeitschr. f. Bauw. 1896, S. 531. – [6] Zeitschr. des österreich. Ingen.- u. Arch.-Ver. 1899, S. 113.

Melan.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.

http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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