Schwimmkran

Schwimmkran

Schwimmkran hat in dem letzten Jahrzehnt eine bedeutungsvolle Entwicklung erfahren, welche in der Hauptsache der deutschen Maschinenfabrik in Duisburg zuzuschreiben ist. In seinen neueren Konstruktionen ist er für die Schiffswersten wegen der Ortsveränderlichkeit ein unentbehrliches Transportwerkzeug geworden und hat zum großen Teil die schweren Werstkrane am Ausrüstungskai entbehrlich gemacht, da es nicht mehr notwendig wird, die großen Schiffe zum Standort des festen Ausrüstungskranes zu verholen. Daß die Schwimmkrane bis vor wenigen Jahren so wenig Beachtung fanden, lag hauptsächlich an ihrer früheren unzweckmäßigen Bauart. Die alten Dreibeinscherenkrane waren in ihrer Handhabung sehr schwerfällig und in ihrer Arbeitsweise für genaue Einstellungen des Lasthakens nicht geeignet. Dabei behinderten die beiden nach vorne überneigenden Kranstreben ein Arbeiten des Schwimmkranes längsseit eines hochbordigen Schiffes, und die Ausladung des Scherenkranes reichte bei großen Schiffsbreiten bis zur Mittellinie des Schiffes nicht mehr aus. Auch mußten die erfaßten Gegenstände zum Absetzen auf das Kranponton durch die vorderen Streben hindurchgeschwenkt werden, so daß man in den Abmessungen der zu transportierenden Bauteile beschränkt war. Die neueren Schwimmkrane haben alle diese Mängel beseitigt und in fortschreitender Entwicklung ständig neue Ausbildungen erfahren, sie dürften in ihrem letzten Typ mit Bezug auf Tragkraft, Leistungsfähigkeit sowie Vielseitigkeit des Gebrauchs unerreicht dastehen. An Stelle der aus Rohrmatten knickfest gebauten Scherenkrane trat bei den Schwimmkränen zunächst ein um seine Vorderkante wippbarer Ausleger aus Eisenfachwerk, der einen geknickten Schnabel erhielt, in den die Seilrollen für die Flasche des Hubwerks eingebaut sind. Das Wippen des Auslegers erfolgt durch kräftige, schwingend gelagerte Gewindespindeln, die von der Antriebsdampfmaschine für das Hubwerk betätigt werden. Der Drehpunkt des Auslegers liegt meist 7 bis 8 m von der Pontonkante entfernt, so daß die größten Kessel noch vor der Kranbrust gelagert werden können. Derartige Krane werden für Tragkräfte von 100 bis 140 t gebaut. Fig. 1 zeigt eine Verbesserung dieser Kranbauart, die darin besteht, daß der Drehpunkt des Auslegers[579] so hoch gelegt ist, daß auch hochbordigste Schiffe bequem bedient werden können. Die Einziehspindeln sind nicht mehr schwingend sondern fest am Krangerüst gelagert und bewegen einen Wagen senkrecht auf und ab, der durch Lenker mit dem Ausleger in Verbindung steht. Bei allen diesen Schwimmkränen pflegt man im Ponton Ballasträume vorzusehen, die geflutet werden können, um der Neigung des Pontons durch die Kranlast entgegenzuwirken und dieselbe auf 4–6° einzuschränken. Da Schwimmkrane dieser Bauart nur eine Linie senkrecht zur Pontonkante mit dem Lasthaken bestreichen können, so ist ein Verholen des Pontons erforderlich, sobald der zu transportierende Gegenstand seitlich dieser Linie abgesetzt werden muß; auch zur Aufnahme neuer Lasten aus längsseit liegenden Prahmen muß der Schwimmkran jedesmal von dem zu bedienenden Schiff ablegen und wieder herangeholt werden. Diese Mängel vermeidet ein Schwimmkran, dessen Ausleger drehbar angeordnet ist, so daß derselbe die Last an jeder Stelle der von ihm bestrichenen Kreisfläche aufnehmen und absetzen kann. Nachdem die Versuche, Drehscheibenkrane der üblichen Bauart auf einen Schwimmkörper zu setzen, für kleine Lasten ein sehr vorteilhaftes Arbeiten mit demselben dargetan hatte, suchte man auch für die Schwerlastkrane das Prinzip des Drehkranes durchzuführen. Es mußten hierzu neue Wege eingeschlagen werden, um sicherzustellen, daß der Kran bei jeder Last und jeder beliebigen Lage des Auslegers ohne Bewegung von Gegengewichten am Kran oder Verschieben von Gewichten im Ponton im Gleichgewicht war. Auch mußte darauf Bedacht genommen werden, die von der Last, den Windkräften und dem beträchtlichen Eigengewicht des Krangerüstes herrührenden bedeutenden Kräfte nur an wenigen Punkten auf das Ponton zu übertragen und dieses selbst hiernach möglichst widerstandsfähig und zugleich billig herzurichten. Das wesentliche Merkmal der neuesten Kranbauart besteht darin, daß auf dem Ponton an vier genau bestimmbaren Punkten eine vierseitige Fachwerkpyramide aufgebaut ist, über welche eine aus Eisenfachwerk gebildete Glocke gehängt ist, die sich unten mit Druckrollen gegen einen Druckring abstützt (Fig. 2). Oben trägt die Glocke den Wippausleger und an der dem Auslegergelenk entgegengesetzten Seite ziemlich dicht über Deck ein festes Gegengewicht und darüber das Windwerk mit den beiden festgelagerten Einziehspindeln für den Wippausleger. Bei dieser Konstruktion konnte die Drehachse des Kranes so weit aus der Mitte des Pontons gerückt werden, daß die Ausladung des Kranes nach drei Seiten hin gleichgroß wird, indem zum Ausgleich auf dem Ponton ein entsprechendes Gegengewicht aus Eilenbeton eingebaut wird (Fig. 2 und 3). Da die Triebwerke für solche Krane sehr zahlreich werden – der Kran nach Fig. 2 besitzt nicht weniger als 6 Lasthaken mit eigenen Windwerken,[580] eine fahrbare Katze an der Vorderkante des Auslegers sowie das Auslegereinziehwerk und das Drehwerk, so reichte der Dampfantrieb, der bis dahin für die Schwimmkrane die Regel bildete, nicht mehr aus und wurde der elektrische Antrieb eingeführt mit seiner restlosen Beherrschung der Bewegung der Antriebsmotoren, der feinfühligen Steuerung und sicheren Bremsung von einer Führerstelle aus, die nunmehr mit bestem Ueberblick dicht unter dem Auslegergelenk eingerichtet werden konnte. Den elektrischen Strom für den Kranbetrieb liefern vorteilhaft Turbogeneratoren, während für die Fahrbewegung der Schwimmkrane meist zwei Dampfkolbenmaschinen mit Schraubenantrieb vorgesehen werden. – Eine eigenartige und einfache Bauart zeigt der in Fig. 4 wiedergegebene Schwimmkran zur Bedienung von im Schwimmdock stehenden Schiffen. Das Krangerüst mit schräg aufwärtsgehendem Ausleger ist auf dem Ponton fest aufgebaut, und der Ausleger trägt zwei Lasthaken von je 30 t Tragkraft im Abstande von 1,5 m voneinander, so daß auch sperrige Lasten in schräger Lage gehalten bezw. abgesetzt werden können. Am Ende des Auslegers ist ein aufklappbarer Auslegerarm mit einem 15-t-Lasthaken angebracht. Der Antrieb aller Windwerke erfolgt durch einen auf dem Achterdeck des Pontons aufgestellten Petroleummotor. Unter Zwischenschaltung von Universaltransmissionsmotoren (universal gegr) kann der Kranbetrieb von einem erhöht angeordneten Führerhaus aus geleitet werden.


Literatur: [1] Michenfelder, Schwere Werstkrane für die Schiffsausrüstung, Jahrb. d. Schiffbautechn. Ges., Berlin 1910. – [2] Wintermeyer, Die Entwicklung der Schwimmkrane, Schiffbau 1909/10, S. 599. – [3] Deutsche Maschinenfabrik, Die Werst, Duisburg 1919.

T. Schwarz.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 3.
Fig. 4.
Fig. 4.

http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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