Mikroskopische Untersuchungen

Mikroskopische Untersuchungen

Mikroskopische Untersuchungen. Mit der Tatsache, daß ein vollständiges Erkennen eines Naturkörpers erst durch die Aufschließung seines inneren Baues, d.i. durch das Studium seiner Elementarorgane und deren Entwicklung und durch die Feststellung der Aufgaben und Verrichtungen dieser Elementarorgane, gegeben ist, ward auch eine neue Methode – die mikroskopische Untersuchung – geschaffen, welche die Möglichkeit bot, die in der Praxis, in Industrie und Technik verwendeten organisierten Naturkörper auf ihre Intensität und Qualität zu prüfen und sie scharf und genau auseinander zu halten.

Während man sich früher meist mit der Wiedergabe der äußerlich sichtbaren Eigenschaften (exomorphe Beschreibung) begnügen mußte, konnte nun mit Zuhilfenahme des Mikroskops durch die endomorphe Beschreibung bei der Gesetzmäßigkeit und Unwandelbarkeit des anatomischen Baues mit derselben Sicherheit, wie sie die chemische Reaktion für die Analyse der Stoffe besitzt, die Diagnostik organisierter Rohstoffe gestellt werden. Die mikroskopische Untersuchung ist heute für viele Gebiete, in deren Bereich die Verwendung solcher Körper fällt, ebenso unerläßlich wie die chemische, mit dieser wohl gleichberechtigt und in vielen Fällen überhaupt die einzige, die verläßliche Resultate liefert. Die Pharmakognosie hat zuerst den Wert dieser Methode erkannt und wendet sie mit den größten Erfolgen an. Ebenso ist sie auch für die technische Rohstoffkunde unentbehrlich geworden. Die Nahrungs- und Genußmittel des Pflanzenreiches (sowie auch die meisten des Tierreiches), die wichtigsten Rohstoffe der Textilindustrie, die Fasern, die Hölzer, Rinden und Wurzeln, viele tierische Rohstoffe sind in den meisten Fällen, insbesondere im zerkleinerten Zustande, nur durch die mikroskopische Untersuchung zu identifizieren, und ein jedem Laien einleuchtendes Beispiel liefert die Stärke, deren zahlreiche Handelssorten, der chemischen Zusammensetzung nach nahezu gleich, in den technisch-physikalischen Eigenschaften oft sehr verschieden, einzig und allein nur mit dem Mikroskop unterschieden werden können.

Nur wenige Objekte, wie z.B. die Stärke, können ohne weitere Behandlung der direkten mikroskopischen Beobachtung unterworfen werden. Es ist nämlich nur dasjenige Objekt hierzu tauglich, welches genügende Transparenz besitzt, da die wissenschaftlich brauchbare Untersuchung nur mit durchfallendem Lichte arbeitet. Von vielen Objekten müssen daher genügend dünne Plättchen dargestellt und, wo es nötig ist, dieselben durch Behandlung mit geeigneten Medien aufgehellt, geklärt werden (vgl. Gesteine, Bd. 4, S. 448). Zum Nachweise verschiedener Gewebeformen oder bestimmter Inhaltskörper muß deren chemische Reaktionsfähigkeit, bezw. deren Vermögen, Farbstoffe aufzuspeichern, geprüft werden. Auch die Größenverhältnisse spielen eine sehr wichtige Rolle. Abgesehen von den vorbereitenden Arbeiten (in Plättchen schneiden oder schleifen, aufklären, aufquellen, entfärben u.s.w.) kann man die mikroskopischen Untersuchungen in drei Abteilungen gliedern: 1. Die mikroskopische Analyse; 2. die mikrometrische Bestimmung; 3. die mikrochemische Prüfung und die Versuche über Verhalten in höheren Temperaturen. Einen besonderen Zweig dieser Untersuchungen bilden die Arbeiten mit den niedersten Organismen, den Schizomyceten oder Spaltpilzen, die sich zu einer neuen, höchst umfangreichen Wissenschaft, der Bakteriologie, verdichtet haben.

In den folgenden Literaturangaben sind einige der wichtigsten Werke angegeben, welche in das Studium der Mikroskopie einführen und die praktische Anwendung derselben dartun. Es muß aber besonders hervorgehoben werden, daß zum vollständigen, vor groben Irrtümern bewahrenden Verständnis derselben es unumgänglich nötig ist, die Grundlehren der beschreibenden Naturwissenschaften, so namentlich der Morphologie, Anatomie und Physiologie der Pflanzen, zu kennen und die Mühe des Studiums derselben, welches durch vorzügliche Lehrbücher (von Luerssen, Frank, Schenk, Strasburger, Warming, Wiesner u.a.) ohnedies sehr erleichtert wird, nicht zu scheuen.


Literatur: Allgemeines, Leitfaden u.s.w.: Wiesner, Einleitung in die technische Mikroskopie, Wien 1867; Frey, H., Das Mikroskop und die mikroskopische Technik, Leipzig 1873; Exner, S., Leitfaden bei der mikroskopischen Untersuchung tierischer Gewebe, Leipzig 1873; Flückiger, Grundlagen der pharmazeutischen Warenkunde, Berlin 1873; Strasburger, E., Das botanische Praktikum, 4. Aufl., Jena 1902 (auch für den techn. Mikroskopiker wertvoll); Ders., Das kleine botanische Praktikum für Anfänger, 5. Aufl., Jena 1904; Zimmermann, Leitfaden der wissenschaftlichen Mikroskopie, Leipzig und Wien 1895; Flückiger und Tschirch, Grundlagen der Pharmakognosie, Berlin 1885; Vogl, A., Mikroskopische Untersuchungen in Dammers Lexikon der Verfälschungen, Leipzig 1886; Tschirch, Angewandte Pflanzenanatomie, Wien 1889; Behrens, Leitfaden der botan. Mikroskopie, Braunschweig 1890; Hanausek, T.F., Lehrbuch der technischen[432] Mikroskopie, Stuttgart 1901 (dasselbe Werk ins Englische übersetzt und bedeutend erweitert von A.L. Winton, New York 1907); Möller, J., Leitfaden der mikroskopisch-pharmakognostischen Uebungen, Wien 1901; Vogl, A., Kommentar zur 7. Aufl. der Oesterr. Pharmaz., allgem. 3. Teil, Wien 1892; Giltay, Sieben Objekte unter dem Mikroskop, Leyden 1893 (für den Anfänger höchst empfehlenswert); Bachmann, O., Leitfaden zur Anfertigung mikroskopischer Dauerpräparate, 2. Aufl., München 1896. – Ueber Mikrochemie, Tinktion u.s.w. nebst den vorgenannten: Vogl, A., Vorlesungen über mikroskopische Untersuchungsmethoden, Zeitschr. d. Allg. Oesterr. Apoth.-Ver. 1866; Paulsen, A., Botan. Mikrochemie, aus dem Dänischen von C. Müller, Kassel 1881; Tschirch, Mikrochemische Reagentien im Dienste der technischen Mikroskopie, Arch. d. Pharm. 1882, S. 801; Behrens, Hilfsbuch zur Ausführung mikroskopischer Untersuchungen im botan. Laboratorium, Braunschweig 1883; Gierke, Färberei zu mikroskopischen Zwecken; Zeitschr. f. wissensch. Mikroskopie 1884, S. 62; Ehrlich, Krause, Mosse, Rosin u. Weigert, Encyklopädie der mikroskopischen Technik mit besonderer Berücksichtigung der Färbelehre, Berlin und Wien 1903 ff.; Behrens, Tabellen zum Gebrauche bei mikroskopischen Arbeiten, Braunschweig 1887; Nickel, Die Farbenreaktionen der Kohlenstoffverbindungen, 2. Aufl., Berlin 1890; Molisch, Grundriß einer Histochemie der pflanzlichen Genußmittel, Jena 1891. – Ueber Nahrungs- und Genußmittel, Stärke, techn. Drogen, Holz u.s.w.: Vogl, A., Nahrungs- und Genußmittel aus dem Pflanzenreiche, Wien 1872; Ders., Die wichtigsten vegetabilischen Nahrungs- und Genußmittel, Berlin-Wien 1889; Wiesner, Rohstoffe des Pflanzenreiches, 2. Aufl., 2 Bde., Leipzig 1900 und 1903; Moeller, J., Das Holz, Kassel 1883; v. Hoehnel, Fr., Die Stärke und die Mahlprodukte, Kassel 1882; Hanausek, T.F., Die Nahrungs- und Genußmittel aus dem Pflanzenreiche, Kassel 1884; Schimper, A.F.W., Anleitung zur mikroskopischen Unterscheidung der Nahrungs- und Genußmittel, 2. Aufl., Jena 1900; Greenish, The microscopical examination of foods and drugs, a practical introduction of the methods adopted in the microscopical examination of foods and drugs, in the entire, crushed and powdered states, London 1903; Moeller, J., Mikroskopie der Nahrungs- und Genußmittel, 2. Aufl., Berlin 1905; dasselbe Werk ins Englische übersetzt von A.L. Winton, New York 1906; Meyer, A., Die Grundlagen und die Methoden für die mikroskopische Untersuchung von Pflanzenpulvern; eine Einführung in die wissenschaftl. Methoden der mikroskopischen Untersuchungen von Gewürzen, pflanzlichen Arzneimitteln, Nahrungsmitteln u.s.w., Jena 1901; Tschirch und Oesterle, Anatomischer Atlas der Pharmakognosie und Nahrungsmittelkunde, Leipzig 1900; Koch, L., Die mikroskopische Analyse der Drogenpulver, Berlin 1900 ff.; Koch, L., Einführung in die mikroskopische Analyse der Drogenpulver, Berlin 1906. – Ueber Fasern: Wiesner, Rohstoffe; v. Hoehnel, F., Mikroskopie der techn. verwendeten Faserstoffe, 2. Aufl., Wien 1905; außerdem enthalten Dammers Lexikon der Verfälschungen und die Realencyklopädie der gesamten Pharmazie zahlreiche einschlägige Artikel.

T.F. Hanausek.


http://www.zeno.org/Lueger-1904.

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